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Krebsherd

Krebsherd

Unter Krebs versteht man das unkontrollierte Wachstum von Körperzellen, die dabei gesundes Gewebe verdrängen oder zerstören. Jedes Organ des menschlichen Körpers kann von Krebs befallen werden. Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Dennoch ist nicht jeder Krebsverlauf tödlich, falls rechtzeitig eine Therapie begonnen wird, oder der Krebs erst in hohem Lebensalter auftritt und langsam wächst. Die derzeitige Heilungsrate bei allen Krebserkrankungen beträgt durchschnittlich 30 bis 40 Prozent. Als geheilt wird in der Onkologie ein Patient bezeichnet, der mindestens fünf Jahre lang ohne Rückfall (Rezidiv) überlebt. Diese Definition von geheilt ist problematisch, weil viele der Rückfälle erst nach fünf Jahren erfolgen. Es fließen mithin viele Patienten in die Krebs-Erfolgsstatistik ein, die später an Krebs sterben (Vgl. Krebsatlas). Man sollte stets im Gedächtnis behalten, dass Krebs nicht gleich Krebs ist - und "Krebs" bedeutet auch nicht zwangsläufig "Todesurteil". Es sind rund hundert Krebserkrankungen bekannt, die sich in Überlebenschance, Behandlungsmöglichkeiten und der Bildung von Metastasen teilweise stark unterscheiden. Die meisten Krebserkrankungen nehmen an Häufigkeit im Alter deutlich zu, so dass man Krebs auch als eine degenerative Alterserkrankung des Zellwachstums ansehen kann. Neben dem Alter sind das Rauchen, andere karzinogene Noxen, familiäre Disposition (Veranlagung) und Virusinfektionen die Hauptursachen für Krebserkrankungen. Durch Krebsvorbeugung und Früherkennung kann das Krebsrisiko unter bestimmten Umständen (abhängig vom Diagnosezeitpunkt, der Krebsart und einem dafür optimalen Alter des Patienten) deutlich verringert werden.

Namensgeschichte

Der Name Krebs wurde Galenus zufolge durch die Ähnlichkeit der geschwollenen Venen eines äußeren Tumors mit Krebsbeinen inspiriert (siehe Krankheit als Metapher). Zuvor verwendete Aristoteles den Begriff "Krebs" vermutlich als erster, als er damit oberflächlich feststellbare, in benachbarte Organe infiltrierende und einwachsende Geschwulste beschrieb (z.B. fortgeschrittener Hautkrebs oder Brustkrebs). In der Bibel wird Krebs auch erwähnt: Paulus warnt vor ketzerischen Widersachern, deren Worte "um sich fressen wie der Krebs" (2. Timotheusbrief, 2:17).

Krebsentstehung

Bei Krebszellen ist diese gegenseitige Abstimmung und Beeinflussung im Zellverband außer Kraft gesetzt. Krebszellen teilen sich unkontrolliert immer weiter, obwohl keine Notwendigkeit mehr dazu besteht. Die Bremssignale des Gesamtsystems an die Tumorzellen werden nicht mehr erkannt und befolgt, da sie den genetischen Code für den Informationsempfang verloren oder abgeschaltet haben. Das Immunsystem des Gesamtorganismus versucht die unkontrolliert wachsenden Zellen zu attackieren. Da sie in vieler Hinsicht aber noch normalen Körperzellen ähneln, fallen die Abwehrmechanismen zu schwach aus, um den sinnlosen Wachstumsprozess zu stoppen. Aus einem örtlich begrenzten Tumor entsteht ein Tumor, der Gewebsgrenzen durchdringen kann, in andere Organe einwuchert und sich selbst mittels Angiogenese sogar neue Blutgefäße bildet.

Mehrstufenmodell

Einige heutige Ansichten über Krebs gehen von einem Mehrstufenmodell der Krebsentstehung aus. Das ältere so genannte Dreistufenmodell gliedert sich dabei in die Phasen der Initiation, Promotion und der Progression. Nach einer Jahre bzw. Jahrzehnte dauernden Latenzphase zwischen dem initialen DNA-Schaden, also der Transformation einer einzelnen Zelle, kommt es erst zum nachweisbaren Tumor. Problematisch am Mehrstufenmodell ist, dass die Begrifflichkeiten Initiation, Promotion und Progression lediglich beschreiben und nicht die Ursache erklären. Zudem sind etwa Promotion und Progression in der Praxis leider nicht scharf von einander abgrenzbar. Bis zu zehn verschiedene Mutationen müssen erfolgt sein. Einige dieser notwendigen Mutationen können vererbt werden, was erklärt, dass auch sehr kleine Kinder an Krebs erkranken können und dass Krebs in so genannten "Krebsfamilien" gehäuft auftreten kann. Ein typisches Beispiel dafür ist das vererbbare Xeroderma pigmentosum. Bei nahen Verwandten von Patientinnen mit Brustkrebs ist die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. In den dazwischenliegenden Schritten der Tumorentstehung (Promotion und Progression) spielen nichtgenotoxische Prozesse eine große Rolle, was Beobachter dazu verleiten könnte, diese Einflüsse als eigentliche "Krebserreger" einzustufen. Die eigentliche Malignität (bei malignen Tumoren) der entarteten Zelle wird in der Phase der Progression erreicht. In jüngerer Zeit wird statt des klassischen Dreistufenmodells von einem komplexen Mehrstufenmodell gesprochen (das nur zum Teil verstanden ist) und die Begriffe Promotion und Progression werden zunehmend vom Begriff der Co-Carcinogenese ersetzt. Bemerkenswert ist Henrietta Lacks, die 1951 an einem bösartigen Gebärmutterhalskrebs starb. Vor ihrem Tod wurden ihr Gewebsproben entnommen und die so genannte HeLa-Zelllinie entstand. Die Tumorzellen leben also seit mehr als fünfzig Jahren unter Laborbedingungen.[http://www.jhu.edu/~jhumag/0400web/01.html]

Historische Annahmen

1902 schrieb John Beard, dass Krebszellen trophoblastischen Embryonalzellen glichen. Zu Beginn einer Schwangerschaft sorgten diese Zellen dafür, dass sich der Embryo in der Gebärmutter einnisten könne. Das Wachstum sei aggressiv und chaotisch. Die Zellen teilten sich schnell und gewännen ihre Energie aus der Zuckergärung. Sie unterdrückten das Immunsystem der Mutter und produzierten humanes Choriongonadotropin hCG, das mittlerweile als Tumormarker anerkannt ist. Die Wucherung stoppt erst, wenn der Embryo ab 7. Woche Pankreasenzyme erzeugt. Ohne diese Enzyme entstünde der bösartigste Tumor, das Chorioncarcinom. Dass Krebstumoren Energie aus der Zuckergärung gewännen (d.h. der Tumor würde anaerob leben), ist die Basis für viele überholte Behandlungsmethoden. Im Jahr 1908 entdeckten Ellermann und Bang ein Virus, das Leukämie in Hühnern verursachte. Peyton Rous war es dann, der 1911 aus einem Muskeltumor mit der sehr hohen Filterfeinheit von 120 Nanometern einen Extrakt herausfilterte, mit dem er wieder Krebs erzeugen konnte. Er vermutete in diesem Extrakt ein Virus. 1966 erhielt Rous für diese Entdeckung des Rous Sarkom-Virus RSV den Nobelpreis.

Theorien zu Krebsauslösern

Krebserregend seien, entsprechend der oben beschriebenen Theorie vor allem Einflüsse, die das Erbgut verändern. Besonders empfindlich dafür ist die Zelle während der Zellteilung; daher sind Zellen, die sich schnell teilen, besonders anfällig. Auch Einflüsse, die das Immunsystem daran hindern, entartete Zellen zu erkennen und zu beseitigen, gelten als krebsfördernd. Besonders gefährlich sind demnach:
- ionisierende Strahlung wie ultraviolettes Licht, Röntgen- oder Gammastrahlung
- mutagene Chemikalien. Die wichtigsten sind größere Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, Benzol, Chrom(VI)-Verbindungen.

Einordnung der Krebsarten

Krebstumore unterscheiden sich von gutartigen (benignen) Tumoren durch drei Kennzeichen: Sie wachsen
- infiltrierend: die Tumorzellen überschreiten Gewebegrenzen und wachsen in benachbartes Gewebe ein
- destruierend: sie zerstören dabei umliegendes Gewebe
- metastasierend: sie siedeln via Blut- und Lymphgefäßen oder sie bilden durch Abtropfung Tochtergeschwulste - so genannte Metastasen.

Klassierung

Daneben werden noch semimaligne Tumore und Präkanzerosen unterschieden. Semimaligne Tumoren erfüllen nur zwei der genannten Kriterien, Präkanzerosen sind entartetes Gewebe, welches sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu malignen Tumoren entdifferenziert, aber noch nicht infiltrierend und metastasierend gewachsen ist. Der häufigste semimaligne Tumor ist das Basaliom, ein Tumor der Basallzellschicht vor allem der sonnenexponierten Haut, der infiltrierend und destruierend wächst, allerdings nicht metastasiert. Unbehandelt kann der Tumor das gesamte Gesicht einschließlich der Gesichtsknochen zerstören. Die weitaus häufigste Präkanzerose ist die zervikale intraepitheliale Neoplasie, eine Wucherung des Gebärmutterhalses, deren Zellen zellbiologisch Zeichen der Malignität aufweisen, allerdings vom Gewebe her noch nicht infiltriert, destruiert oder metastasiert haben. Zur Vorsorge wird Frauen der jährliche Gebärmutterabstrich nach Papanicolaou, auch PAP-Abstrich genannt, empfohlen, da Präkanzerosen sich deutlich besser behandeln lassen.

Gewebeherkunft

Krebstumoren werden nach dem Typ des entarteten Gewebes klassifiziert. Den weitaus größten Teil aller Krebserkrankungen machen Karzinome aus, also Tumore, die von Epithel ausgehen. Diese werden nochmals differenziert in Plattenepithel- oder squamöse Karzinome, die sich von verhornter und unverhornter (Schleim-)Haut ableiten, und Adenokarzinome, welche sich vom Drüsenepithel ableiten und je nach Ursprung und Aufbau weiter differenziert werden. Eine weitere große Gruppe sind die hämatologischen Krebsformen des Blutes und der blutbildenden Organe, die sich in Leukämien und Lymphome, auch "Lymphdrüsenkrebs" genannt, unterteilen lassen . Daneben gibt es seltenere bösartige Tumoren, wie die vom Stütz- und Bindegewebe ausgehenden Sarkome, neuroendokrine Tumoren wie das Karzinoid oder von embryonalem Gewebe ausgehende Teratome (vor allem der Keimdrüsen).

Statistik

In Deutschland erkranken etwa 395.000 Menschen jährlich an Krebs, davon rund 195.000 Frauen und 200.000 Männer. Die meisten Fälle treten im Alter von über 60 Jahren auf. Die unter 60-jährigen machen mit etwa 107.000 Fällen nur rund ein Viertel der Krebs-Neuerkrankungen aus. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 1.750 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden in dieser Altersgruppe Leukämien, Tumore des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Im Durchschnitt werden derzeit etwa 30 % aller Krebspatienten von ihrer Krankheit geheilt. Von allen Krebsheilungen werden ca. 90 % ausschließlich durch die lokal auf die Tumorregion gerichtete, sogenannte lokoregionäre Behandlung, also durch Operation und Strahlentherapie (»Stahl und Strahl«) erreicht. Sehr selten gibt es auch Spontanremissionen. Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte. Allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit solcher Spontanremissionen unter der Wahrscheinlichkeit einer Fehldiagnose.

Vergleich der diagnostizierten und der tödlichen Krebserkrankungen

Zahlen mit Stand: 2000 (Quelle: [http://www.rki.de/cln_006/nn_226928/DE/Content/GBE/DachdokKrebs/KrebsDownloads/kid2004__,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/kid2004_ Broschüre »Krebs in Deutschland« der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland])

Krebshäufungen bei bestimmten Berufen

Behandlungsmöglichkeiten


- Operation: operative Entfernung des Tumors und benachbarter Lymphknoten.
- Strahlentherapie
  - mit radioaktiven Stoffen
    - durch radioaktives Iod (Schilddrüse nimmt aktiv Iod auf)
  - mit Röntgenstrahlen
  - mit Protonentherapie (Bestrahlung mit Protonen, die den Tumor umgebendes Gewebe schont)
  - mit Mikrowellen (Aufheizung des betroffenen Gewebes)
- Medikamentenbehandlung
  - mit Zytostatika (»Chemotherapie«); die Krebszellen werden an der Vermehrung gehindert bzw. gestoppt
  - Hormontherapie, z. B. Testosteronentzug beim Prostatakarzinom
  - Hemmung des Blutgefäßwachstums (Krebsgewebe lockt Blutgefäße an, in Richtung des Krebsgewebes zu wachsen, um es zu versorgen.)
  - Immuntherapie (Steigerung der Immunantwort auf die Tumorzellen) [http://www.kimt.de/ Immunologische Krebs-Therapie ]
- Palliative Behandlung bzw. Förderung der Lebensqualität
  - Gabe von Schmerzmitteln
  - Besserung des Allgemeinbefindens durch Schmerzbehandlung
  - Ausreichende Ernährung
  - Hemmung des Knochenabbaues
  - Steigerung der Blutbildung im Knochenmark
  - Symptomatische Behandlungen z. B. Aufdehnung von Stenosen durch Bougierung oder Einlage von Stents
  - Physiotherapie (speziell Atemtherapie bei Lungenkrebs)
- Alternative Behandlungsmethoden, unter anderem die Mistel-Therapie oder B17-Therapie. Beide sind umstritten. Tatsache ist aber, dass viele erfolgreiche Zytostatika (wie Vincristin) ursprünglich in Pflanzen gefunden wurden. Diese Zytostatika sind aber hochrein und hochkonzentriert und deshalb nicht mit "Kräutertee" oder ähnlichem zu vergleichen. Die unbefriedigende Heilungsrate bei bestimmten Tumorerkrankungen und die Nebenwirkungen der etablierten Behandlungmethoden lösen oft Ängste und Verzweiflung bei den Betroffenen und deren Angehörigen aus. Dies führt unter Umständen zur Hinwendung zu unkonventionellen Behandlungsarten, denen in vielen Fällen der Nachweis der Wirksamkeit fehlt, und deren Grundlagen meist einer naturwissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Einige von ihnen werden als »Wunderheilung« abgelehnt, andere hingegen als ergänzende Therapieverfahren auch von der Schulmedizin akzeptiert. Auch wenn - leider häufig - eine vollständige Heilung nicht erreicht werden kann, ist in Betracht zu ziehen, dass bei einem 75jährigen Krebspatienten eine Lebenszeitverlängerung von 1 oder 2 Jahren schon als ein sehr gutes Resultat zu betrachten ist (ältere Krebspatienten sterben oft an etwas anderem als am Krebs selber), während bei einer 45jährigen Brustkrebspatientin erst eine 10jährige Rückfallfreiheit als "sehr gut" bewertet wird - denn sie hat einen großen Teil ihres Lebens noch vor sich.

Grenzen der Behandlungsmethoden

Die derzeitige Heilungsrate bei Krebs liegt bei ca. 30 – 40 Prozent, wenn man alle verschiedenen Krebserkrankungen zusammenfasst. Solange eine Krebskrankheit örtlich begrenzt bleibt, sind die Heilungschancen besser, als wenn der Tumor sich bereits in mehreren Organen des Körpers ausgebreitet hat (z.B. Lungenkrebs metastasiert sehr schnell, während Prostatakrebs dies seltener tut). Die Schwierigkeit vieler Krebserkrankungen liegt allerdings darin, dass sie sehr spät erkannt werden - ein Tumor kann schon ab einem Volumen von unter 1 ml Metastasen produzieren, aber z.B. Brustkrebs kann mittels Selbstabtastung durch einen Laien erst ab dieser Größe erkannt werden. Ein Problem stellt mitunter die anatomische Zugänglichkeit der Tumoren für eine operative Entfernung dar, beispielsweise an der Speiseröhre. Auch sind die Symptome nicht immer leicht zu erkennen oder treten erst in fortgeschrittenem Stadium auf, weshalb Bauchspeicheldrüsenkrebs oftmals sehr spät erkannt wird. Krebskranke haben äußerst unterschiedliche Überlebenschancen - siehe die Aufstellung oben. Faktoren, die dazu beitragen sind
- findet Früherkennung statt? :- der Tumor muss bis auf eine gewisse Größe anwachsen, bis er vom Laien erkannt wird (etwa Brustkrebs)
- verschleppt der Patient die Erkrankung und geht erst spät zum Arzt? :- etwa bei untypischen Symptomen, wie etwa chronischer Husten bei Rauchern
- metastasiert der Tumor schnell? :- die Gefährlichkeit etwa des Lungenkrebses ist in der Tat die schnelle Metastasenbildung
- spricht der Tumor auf die Chemotherapie an? :- je nach Ursprungsgewebe des Tumors sind gewisse Wirkstoffklassen völlig oder fast unwirksam
- kann der Tumor überhaupt operiert werden? :- Eingriffe wie Entfernung eines Lungenbeutels kann die Überlebensquote der Patienten drastisch senken, also versucht man solche Operationen zu vermeiden

Krebsvorbeugung

Es sind nicht alle Faktoren bekannt, die die Krebsentstehung fördern oder hemmen. Um das Risiko einer Krebserkrankung zu vermindern, sollte ein Aussetzen des Körpers mit kanzerogenen Stoffen vermieden werden.

Früherkennung

Bei den meisten Krebserkrankungen ist die Früherkennung wichtig. Nur selten, wie beispielsweise beim Lungenkrebs, ist die Früherkennung bislang ineffektiv. Die Früherkennung ist primär Aufgabe jedes Menschen und nicht bloß des Arztes. Unbehandelt wächst der maligne Tumor solange, bis das Organ bzw. der Körper zerstört ist. Da die Gefahr einer Krebserkrankung für eine Bevölkerung schwankt und u. a. von neu aufkommenden Umweltgiften abhängt oder von der Eliminierung solcher Gifte durch Umweltschutzgesetze, sowie durch das Ernährungsverhalten und der Bereitschaft, sich vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, aber auch durch das Sexualverhalten (Durchseuchung einer Bevölkerung mit möglicherweise krebserregenden Viren), muss für jede Generation und jedes Land immer aufs Neue das individuelle Krebsrisiko bestimmt werden. Je eher ein Krebs erkannt wird, desto besser die Heilungsaussichten. Es ließen sich mehr Krebskrankheiten heilen, wenn sie früher erkannt würden. Aber nicht jede Früherkennung bietet nur Vorteile (siehe auch Screening). Man tauscht ein Risiko gegen ein Bündel anderer Risiken, wie falsch-positive Befunde. Für Männer sind regelmäßige Untersuchungen des Arztes auf Blut im Stuhl und das Abtasten der Prostata wichtig, für Frauen ein Abstrich vom Gebärmutterhals (systematische Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs) und Mammographie-Vorsorgeuntersuchungen (über 50 Jahren), wobei der in absoluten Zahlen geringe Nutzen der Mammographie mit dem Arzt besprochen sein sollte. Viele Krebserkrankungen werden vom Patienten selbst aufgrund von Veränderungen erkannt. Ein Arztbesuch ist empfehlenswert bei:
- ungewöhnlichen Schwellungen; Wunden, die nicht abheilen; Veränderung der Form, Größe oder Farbe eines Hautmal oder abnorme Blutungen
- chronischer Husten oder anhaltende Heiserkeit, eine Veränderung beim Stuhlgang oder beim Urinieren, oder einen unerklärlichen Gewichtsverlust
- Veränderungen beim regelmäßigen Abtasten der Brüste feststellen. Jede dieser Selbstuntersuchungen sind mit einem recht großen Fehlerrisiko behaftet. Knötchen in der Brust können gut harmlos sein, und andererseits können Laien bösartige Brusttumoren erst ertasten, wenn sie schon 1 ml Volumen haben - und mit großer Wahrscheinlichkeit schon metastasiert haben.

Anlaufstellen


- [http://www.krebsgesellschaft.de/ Deutsche Krebsgesellschaft e.V.]
- Der kostenlose und neutrale [http://www.krebsinformation.de/ Krebsinformationsdienst KID] des DKFZ in Heidelberg
- [http://www.krebshilfe.de/ Deutsche Krebshilfe e.V.]
- [http://www.krebsliga.ch/ Krebsliga Schweiz]
- [http://www.krebs-kompass.de/ Krebs-Kompass]

Literatur

Wissenschaftliche Literatur


- Krebs in Deutschland, Häufigkeiten und Trends, 4.Auflage 2004, herausgebeben von der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland, Saarbrücken ( = Krebsatlas)
- Onkologie für Pflegeberufe, hrsg. v. Agnes Glaus, Walter F. Jungi u. Hans-Jörg Senn, Thieme flexible Taschenbücher, ISBN 3-13-620305-4. Sehr breite und vertiefte Übersicht über Krebserkrankungen; zum großen Teil auch für Laien verständlich.
- Checkliste Onkologie, Reihe begr. v. Felix Largiader, Alexander Sturm u.Otto Wicki; Von Hans-Jörg Senn, Peter Drings, Agnes Glaus, ISBN 3-13-685505-1
- The China Study, T. Colin Campbell PhD, ISBN 1-93-210038-5. Wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheiten, besonders auch Krebs werden hier "populärwissenschaftlich" vorgestellt. Der Autor hat selbst einige Studien zu diesem Thema geleitet (z.B. die vermutlich größte Studie auf diesem Sektor, nämlich eben die China Study) und zeigt Zusammenhänge auf, welche in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. (englisch)

Sachbücher ohne wissenschaftlichen Anspruch


- Stamatiadis-Smidt, Zur Hausen (Hrsg): Thema Krebs. Fragen und Antworten DKFZ KID. Springer, Berlin. 440 Seiten. Neuauflage 1998 von Stamatiadis-Smidt, Sellschopp (1993). ISBN 3-540-64353-2 .
- Gisela Friebel: Gesundheit fast zum Nulltarif ISBN 3929960060
- Robert A. Weinberg: Krieg der Zellen ISBN 3426266423
- Sibylle Herbert: Überleben Glücksache ISBN 3502140022
- Pascale Gmür: Da ist der Krebs und rundherum mein Leben. Frauen reden über Krebs Zürich: Beobachter-Verlag. ISBN 3-85569-230-0

Siehe auch


- Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg - das führende dt. Zentrum mit angeschlossenem Klinikverbund
- Früherkennung von Krankheiten
- Krankheit
- Krebsregister
- Onkologie
- Screening
- Screening/Robodoc
- TNM-Klassifikation

Weblinks


- [http://www.medinfo.de/index.asp?r=570&thema=Krebs www.medinfo.de] - Infoleitsystem Medinfo – die besten Links zu Krebsthemen
- [http://www.krebs-webweiser.de www.krebs-webweiser.de] - Umfangreiche Linkliste, nach Themen geordnet
- [http://www.medsana.ch/artikel.php?id=818&box=1 www.medsana.ch] - Umfassende Erklärungen zum Thema Krebs und den einzelnen Krebsarten
- [http://www.inkanet.de www.inkanet.de] - Informationsnetz für Krebspatienten und deren Angehörige (Inka)
- [http://www.krebs-kompass.de www.krebs-kompass.de] - Mehrfach ausgezeichnete Selbsthilfeseite, Chat und Forum (Krebs-Kompass)
- [http://www.hvbg.de/d/bia/fac/kmr/ www.hvbg.de] - Liste der krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoffe (KMR-Liste)
- [http://www.grid.org www.grid.org] - Cancer Research Project der Universität Oxford mit Hilfe von privaten Haushalten
- [http://www.nutritionj.com/content/3/1/19 www.nutritionj.com] - Nutrition and cancer: A review of the evidence for an anti-cancer diet (Originalarbeit in englischer Sprache) ! ja:悪性腫瘍 ko:암 ms:Penyakit Barah simple:Cancer th:มะเร็ง

Organ

Organ (v. griech.: οργανον organon = Werkzeug) ist:
- in der Biologie ein Körperteil bzw. eine aus verschiedenen Geweben zusammengesetzter Funktionseinheit (als Teil des Ganzen, des Organismus), siehe Organ (Biologie)
- in der Umgangssprache die menschliche Stimme ("Er hat ein lautes Organ.")
- bildungssprachlich eine Zeitung oder Zeitschrift, welche die offizielle Stellung einer bestimmten Organisation vertritt
- in der Rechtswissenschaft eine Person, durch die oder ein Gremium, durch das eine juristische Person handelt, siehe Organ (Recht)
- staatliche Institution, siehe Staatsorgan

Kardiovaskuläres System

Der Blutkreislauf ist das Strömungssystem des Blutes, das vom Herz und, wenn vorhanden, einem Netz aus Blutgefäßen (kardiovaskuläres System) gebildet wird. Seine Aufgabe besteht darin, jede einzelne Körperzelle mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Des Weiteren werden im Blutkreislauf Stoffwechselprodukte, Hormone und Abfallprodukte, wie Kohlendioxid und andere Stoffwechselreste transportiert.

Formen

Bedingt durch die Entwicklungsgeschichte der Tiere gibt es jedoch unterschiedlich ausgeprägte Arten von Kreisläufen:
- Den offenen Blutkreislauf, bei dem das Blut in den Körperhöhlen kreist. Vor allem bei Gliederfüßern und Weichtieren wird das Blut vom Herzen in kurze Blutgefäße und von dort in alle Körperhöhlen gepumpt, bis es schließlich ins Herz zurückfließt. Das Blut fließt dabei langsam und mit geringem Druck.
- Den geschlossenen Blutkreislauf der Wirbeltiere. Hier fließt das Blut immer durch ein geschlossenes Netz aus Blutgefäßen, das alle lebenden Zellen erreicht. Herz, Blutgefäße und Blut bildet dabei das so genannte Herz-Kreislauf-System. Der Durchmesser der Blutgefäße wird dabei in Richtung Körperzelle immer kleiner, in Richtung Herz dagegen immer größer. Blutgefäße die vom Herzen wegführen werden als Arterien bezeichnet, die zum Herzen führenden heißen Venen. Das geschlossene Kreislaufsystem teilt sich entwicklungsgeschichtlich noch einmal auf und trennt die wechselwarmen von den gleichwarmen Wirbeltieren.
  - Bei den wechselwarmen Tieren, also Fischen, Amphibien und Reptilien findet eine Vermischung von arteriellem und venösem Blut im Herzen aufgrund nur einer einzelnen oder zwei unvollständig getrennten Herzkammern statt.
  - Bei den gleichwarmen Tieren, den Vögeln und Säugetieren, besteht das Herz aus zwei Vorhöfen und zwei Kammern, so dass eine vollständige Trennung von sauerstoffreichem und sauerstoffarmen Blut besteht.

Blutkreislauf der wechselwarmen Wirbeltiere

Säugetiere

Fische

Das Herz der Fische ist das am Einfachsten gebaute unter den Wirbeltieren, denn es besteht nur aus einem Vorhof und einer Kammer. Aus diesem Grund ist auch der Blutkreislauf selbst relativ einfach strukturiert. Venöses Blut wird aus dem Herzen in die Kiemen gepumpt, in denen es mit Sauerstoff aus dem Wasser angereichert wird. In den Kapillaren gibt es den Sauerstoff ab und nimmt dafür Kohlendioxid auf. Neben dem Herz nehmen auch die Kiemen am Pumpvorgang teil.

Amphibien

Bei den Amphibien besteht das Herz aus einer Kammer und zwei Vorhöfen. Der linke Vorhof empfängt mit Sauerstoff angereichertes Blut aus der Lunge, der rechte Vorhof sauerstoffarmes Blut aus dem Körper. Beide Vorhöfe pumpen das Blut in die Kammer, wo es sich zu Blut mit mittlerem Sauerstoffgehalt vermischt. Durch den Truncus venosus strömt nun die eine Hälft des Mischblutes in den Körper, wo es die Organe mit Sauerstoff versorgt. Die andere Hälfte des Blutes fließt in die Lungen, wo es mit Sauerstoff angereichert wird.

Reptilien

Das Herz der Reptilien besteht ebenso aus zwei Vorhöfen und einer Kammer, diese ist jedoch nahezu vollständig durch eine Scheidewand in zwei Hälften geteilt. Aus dem Körper strömt sauerstoffarmes Blut in den rechten Vorhof, aus den Lungen mit Sauerstoff angereichertes Blut fließt in den linken Vorhof. Beide Vorhöfe pumpen das Blut in die Herzkammer, aus der drei Schlagadern abgehen. In der rechten fließt sauerstoffarmes Blut zur Lunge, in der linken sauerstoffreiches Blut zum Kopf und in den Körper, und in der Mitte fließt Mischblut in den Körper.

Blutkreislauf der gleichwarmen Wirbeltiere

Anatomie

Kapillarenn]] Kapillaren Der Blutkreislauf besteht aus dem Herzen und den Blutgefäßen. Blutgefäße die zum Herzen führen, werden als Vene bezeichnet, diejenigen, die vom Herz wegführen, als Arterie. Je weiter die Blutgefäße vom Herzen entfernt sind, um so verzweigter werden sie, und umso kleiner wird auch ihr Durchmesser. Arterien werden zuerst zu Arteriolen und diese zu Kapillaren, welche das Gewebe versorgen. Diese führen wiederum zusammen und bilden die postkapillären Venolen, die zu Venen werden. Kern des Blutkreislaufes ist das Herz. Es kann als in zwei Hälften geteilt betrachtet werden, obwohl es sich im gesamten um ein einziges Organ handelt. Jede dieser Hälften besteht aus einem Vorhof und einer Kammer, die jeweils als Einheit arbeiten. Während die rechte Herzhälfte das Blut durch den Lungenkreislauf pumpt, der das Blut mit Sauerstoff anreichert, pumpt die linke Herzhälfte das Blut durch den Körperkreislauf, um die Organe mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Diese beiden Kreisläufe sind in Reihe geschaltet, das heißt dass das gesamte Blut immer durch den Lungenkreislauf fließen muss. Im Unterschied dazu sind die Organe im Körperkreislauf parallel geschaltet. Die Existenz zweier Blutkreisläufe (Körper- und Lungenkreislauf) hat wichtige Vorteile:
- Der Druck kann in beiden Kreisläufen unterschiedlich sein. Im Lungenkreislauf ist er erheblich niedriger, so dass eine geringere Wanddicke in den Lungen für einen besseren Gasaustausch möglich ist.
- Die Lunge mit ihren Kapillaren funktioniert als Filter gegen Thromben u. ä., bevor das Blut von der linken Herzseite u. a. zum Gehirn gepumpt wird. Die Lunge hat dazu thrombenlösende Eigenschaften. Im Lungenkreislauf verlässt das Blut die rechte Herzkammer über den Truncus pulmonalis (lat. für Lungenstamm) in Richtung der Lungen, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Dann wird es von der Vena pulmonalis (lat., Lungenvene) in den linken Herzvorhof gepumpt. Vom linken Vorhof gelangt es in die linke Kammer, von wo aus es durch die Aorta in den Körperkreislauf gepumpt wird. Während bei den Säugern die Aorta auf der linken Körperseite verläuft, liegt sie bei Vögeln auf der rechten. Nach der Versorgung der Organe kehrt das nun mit Kohlendioxid angereicherte Blut durch die obere bzw. die untere Hohlvene in den rechten Vorhof zurück. Mit dem Übergang vom rechten Vorhof in die rechte Kammer beginnt der Kreislauf von neuem. Eine Besonderheit stellt das Pfortadersystem dar. Blut, das von den Organen des Verdauungstrakts kommt, wird in der Pfortader gesammelt und gelangt in die Leber, wo die aufgenommenen Nährstoffe verwertet werden.

Blutgefäße

Blutdruck und -volumen

Man unterscheidet zwischen dem so genannten Niederdruck- und dem Hochdrucksystem. Zum Niederdrucksystem gehören die Venen, das rechte Herz und die Gefäße des Lungenkreislaufs. Das Hochdrucksystem enthält die Arterien des Körperkreislaufs. Die Hauptaufgabe des Niederdrucksystems ist seine Blutspeicherfunktion, denn 80% des im Körper zirkulierenden Blutes (ca. 4-5 l, etwa 7% der fettfreien Körpermasse) findet man dort. Diese Funktion wird durch die hohe Dehnbarkeit und die große Kapazität der Gefäße begünstigt. Im Falle eines Blutverlustes kann das Volumen durch Verengung (Vasokonstriktion) der Venen bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen werden. Im umgekehrten Fall, der zum Beispiel bei Bluttransfusionen auftritt, ändert sich hauptsächlich das Volumen des Niederdrucksystems. Deshalb ist im Normalfall der zentrale Venendruck (Normalwert etwa 4-12 cmH2O) ein guter Indikator für das Blutvolumen. Im Gegensatz dazu ist die Hauptaufgabe des Hochdrucksystems die Versorgung der Organe. Der Blutdruck ist im Verlauf des Systems großen Änderungen unterworfen. Beträgt er noch in der Aorta und den großen Arterien ca. 100 mmHg, fällt er in den Arterienästen auf 40 mmHg ab, und beträgt in den Kapillaren nur noch 25 mmHg. In den Venolen beträgt er 20 mmHg, in den Pfortadern letztendlich nur noch 3 mmHg. Im Lungenkreislauf schwankt das Volumen zwischen 15-20 mmHg in der Arteria pulmonalis und 2-5 mmHg in der Vena pulmonalis. Spricht man umgangssprachlich von Blutdruck, so meint man den Blutdruck der Arterien im Körperkreislauf. Dieser schwankt zwischen Systole (der Auswurfphase des Herzens) und Diastole (der Füllungsphase), und wird als Doppelwert dieser beiden Phasen angegeben, wobei zuerst der systolische und dann der diastolische Wert genannt wird. Durchschnittlich liegen diese Werte für die Diastole zwischen 60 und 90 mmHg und für die Systole zwischen 100 und 140 mmHg. Der Unterschied zwischen dem systolischen und dem diastolischen Blutdruck wird als Blutdruckamplitude bezeichnet. Trotz der großen Druckunterschiede zwischen Systole und Diastole fließt das Blut relativ gleichmäßig durch den Körper. Dies liegt an der so genannten Windkesselfunktion der Aorta und der großen Arterien. Während der Systole dehnt sich die Gefäßwand aus und nimmt so einen Teil des ausgeworfenen Blutes auf, und gibt ihn in der Diastole, in der kein Blut aus dem Herzen austritt, wieder ab. Diese Volumendehnbarkeit (Compliance) wandelt also das stoßweise austretende Blut in einen gleichmäßigen Strom um. Würde der Druck nicht durch die elastischen Gefäße gespeichert werden können, so würde der Druck in der Aorta wesentlich dramatischer schwanken. Interessanterweise würde im zeitlichen Mittel aber wesentlich weniger Blut durch die Gefäße strömen, da viel Strömungsenergie für das ständige Beschleunigen des Blutes aufgezehrt würde. Die Druckwelle bewegt sich beim jungen, erwachsenen Menschen mit etwa 6 Meter pro Sekunde, beim alten Menschen verdoppelt sich die Geschwindigkeit, da mit zunehmenden Lebensalter die Gefäßwände immer unelastischer werden, vermindert sich der Druckspeichereffekt mit dem Lebensalter immer mehr und der Volumenstrom reduziert sich.

Regulation

Unabhängig von Umgebungs- und Belastungsbedinungen muss die Blutversorgung zu jedem Zeitpunkt aufrechterhalten bleiben. Es muss sichergestellt werden, das Herzaktion und Blutdruck immer bestmöglich reguliert werden, alle Organe ein Mindestmaß an Blut erhalten, und der Blutstrom entsprechend den Bedürfnissen von den ruhenden weg zu den aktiven Organen verteilt wird, da eine Maximalversorgung aller Organe zur gleichen Zeit nicht möglich ist. Wichtigster Einfluss auf die Blutversorgung der Organe ist die Gefäßweite. Sie wird durch den Spannungszustand (Tonus) der Muskulatur in der Gefäßwand gesteuert, welcher wiederum durch
- lokale Steuerung,
- hormonale Signale und
- neuronale Signale beeinflusst wird.

Lokale Steuerung

Die lokale Steuerung, oder auch Autoregulation, stellt zum einen das Gleichbleiben der Organdurchblutung auch bei wechselndem Blutdruck sicher, zum anderen passt sie die Durchblutung den Stoffwechselbedingungen des Organs an (zum Beispiel steigt die Durchblutung des Magen-Darm-Traktes während der Verdauung). Dies findet auf unterschiedlichem Weg statt.
- Beim Bayliss-Effekt findet eine Kontraktion der Gefäßmuskulatur als Antwort auf eine Gefäßweitung durch eine Blutdruckerhöhung statt. Er tritt in Gehirn, Niere Verdauungstrakt auf, nicht aber in der Haut oder der Lunge.
- Sauerstoffmangel löst eine Gefäßweitung aus, die daraus resultierende Mehrversorgung mit Blut wirkt diesem entgegen. (In der Lunge findet das genaue Gegenteil statt, eine geringe Sauerstoffsättigung hat eine Gefäßverengung zur Folge.)
- Außerdem löst das Vorkommen gewisser Stoffe im Blut lokal eine Gefäßweitung auf. Dieser lokal-metabolische Effekt wird besonders durch eine erhöhte Konzentration von Kohlendioxid, ADP, AMP Adenosin, Wasserstoff- und Kalium-Ionen hervorgerufen. Die daraus resultierende bessere Durchblutung begünstigt den Abtransport dieser Stoffe. Besonders wichtig ist diese Art der Steuerung im Myokard und im Gehirn.

Hormonale Steuerung

Hormone wirken entweder direkt auf die Muskulatur der Gefäßwand (z.B. Adrenalin), oder sie bewirken vor Ort die Freisetzung von gefäßaktiven Substanzen (z.B. Stickstoffmonoxid, Endothelin), die dann lokal wirksam werden.
- Stickstoffmonoxid (NO) hat eine gefäßweitende Wirkung. Es wird aus dem Endothel (der Gefäßwand auskleidenden Zellschicht) ausgeschüttet, wenn diese durch Acetylcholin, ATP, Endothelin-1 oder Histamin stimuliert wird.
- Endothelin-1 stimuliert zum einen die Freisetzung von NO, zum anderen wirkt es lokal direkt auf die Gefäßmuskulatur, dann aber gefäßverengend. Es wird vom Endothel nach Stimulation durch Angiotensin II und Vasopressin freigesetzt.
- Adrenalin wirkt je nach vor Ort überwiegenden Rezeptoren gefäßverengend (α1-Adrenorezeptoren, zum Beispiel in Haut und Niere) oder gefäßweitend (β2-Adrenorezeptoren, zum Beispiel in Skelettmuskel, Myokard und Leber).
- Eikosanoide haben unterschiedliche Effekte auf die Gefäße. Während Prostaglandin F2 und Thromboxane A2 und B2 gefäßverengend wirken, haben Prostaglandin F2 und Prostacyclin gefäßerweiternde Wirkungen.
- Bradykinin, Kallidin und Histamin wirken gefäßerweiternd. Außerdem setzt Stimulation des Endothels durch Bradykinin den EDHF (endothel-derived hyperpolarizing factor, hyperoplarisierender Faktor des Endothels) frei, der Gefäßmuskelzellen hyperpolarisiert.

Neuronale Steuerung

Die neuronale Steuerung findet hauptsächlich durch den Sympathikus statt, und setzt an den kleinen Arterien und den Arteriolen bzw. den Venen und deren Rückstrom zum Herzen an. Der postganglionäre Neurotransmitter ist das Noradrenalin, das an die α1-Rezeptoren anbindet, und deswegen gefäßverengend wirkt. Eine Gefäßweitung wird durch Nachlassen des Sympathikotonus erreicht. Ausgenommen hiervon ist die vom Parasympathikus innervierte Weitung der Gefäße der Speicheldrüsen und der Geschlechtsorgane (Erektion). Als Transmitter wirken NO und Bradykinin. Die Steuerung durch Sympathikus und Parasympathetikus findet auf zwei Arten statt: zum einen über eine Art Bedarfsmeldung der Organe, zum anderen durch eine neuronale Mitinnervation, bei der das Gehirn neben der Aktivierung bestimmter Organe gleichzeitig deren Durchblutung steuert.

Zentrale Kreislaufsteuerung

Neben der Einflussnahme auf den Tonus der Gefäße findet auch noch eine zentrale Kreislaufsteuerung in der Medulla oblongata und der Pons statt. Dabei werden Informationen von Kreislaufsensoren ausgewertet, die den arteriellen Blutdruck, die Pulsfrequenz, und den Füllungsdruck des Niederdrucksystems messen. Diese Sensoren befinden sich in der Aorta und der Arteria carotis (Dehnungs- und Pressosensoren) und im Niederdrucksystem in den Hohlvenen und den Vorhöfen (Dehnungssensoren). Diese Regulation wirkt aber nur akuten Blutdruckänderungen entgegen wie zum Beispiel beim Aufstehen aus dem Liegen, ist der Blutdruck jedoch immer auf einem erhöhten (oder erniedrigten) Level, so erfolgt eine Anpassung, und der "neue" Blutdruck wird immer gleich gehalten.

Der Blutkreislauf vor der Geburt

Arteria carotis Da die Lungen des Fötus im Mutterleib noch funktionslos sind, bezieht er sein sauerstoffreiches Blut über die Nabelschnur aus der Plazenta. Das sauerstoffreiche Blut gelangt aus der Nabelvene in der Nabelschnur über den Ductus venosus und umgeht somit zum Großteil die Leber. Dann gelangt es durch die untere Hohlvene in den rechten Vorhof. Durch das Foramen ovale strömt es in den linken Vorhof, wird in die linke Herzkammer gepumpt und verlässt das Herz durch die Aorta, um hauptsächlich das Gehirn, dass am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel reagiert, und den oberen Teil des Körpers zu versorgen. Das venöse Blut aus dem oberen Teil des Körpers fließt durch die obere Hohlvene in den rechten Vorhof und wird von dort in die rechte Kammer gepumpt. Dabei kreuzt es sich mit dem arteriellen Blut, ohne sich jedoch mit diesem zu vermischen. Aus der rechten Kammer wird ein Teil (etwa ein Drittel) in die noch nicht entfalteten Lungen gepumpt. Durch die geringe Sauerstoffversorgung der Lunge sind die Lungengefäße verengt, was den Fließwiderstand gegen das Blut erhöht. Die restlichen zwei Drittel des venösen Blutes gelangen über den Ductus arteriosus in die Aorta (Rechts-Links-Shunt) hinter den Abgängen zum Gehirn, wo es sich mit dem arteriellen Blut vermischt. Dieses nun mit relativ wenig Sauerstoff gesättigte Blut versorgt den unteren Teil des Körpers, bis es über die Nabelarterien wieder in die Plazenta fließt. Dort wird es dann wieder mit Sauerstoff angereichert. Bei der Geburt endet die Versorgung durch die Plazenta. Dies lässt den Kohlendioxidgehalt im Blut ansteigen, was durch Chemorezeptoren einen sehr starken Anreiz zum Atmen gibt. Durch das Heben des Brustkorbs sinkt der Druck innerhalb des Brustkorbs. Dies führt zum Leersaugen von Plazenta und Nabelvene und zur Entfaltung der Lungen. Da diese nun das Blut mit Sauerstoff anreichern, weiten sich die Gefäße in der Lunge, was den Gefäßwiderstand reduziert. Deshalb gelangt mehr Blut in die Lungen, und die Fliessrichtung im Ductus arteriosus kehrt sich um. Bis zu dessen Schließung wird die Lunge noch kurze Zeit mit Aortenblut versorgt. Nach dem Verschluss wird der Ductus arteriosus zum Ligamentum arteriosum. Während im rechten Vorhof das Blut abnimmt, da der Zufluss aus der Plazenta fehlt, nimmt im linken Vorhof der Blutfluss durch die Versorgung der Lunge zu. Das daraus resultierende Druckgefälle und die Verringerung gefäßverengender Prostaglandine führen dazu, dass sich das Foramen ovale ebenfalls innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt verschließt. Ebenso verschließt sich der Ductus venosus.

Geschichte

Ibn an-Nafis, ein arabischer Arzt und Anatom († 1228), entdeckte als Erster, dass das Blut in einem Kreislauf durch die Lunge fließt. Seine Erkenntnisse gelangten jedoch nicht bis in den europäischen Raum. Erstmalig korrekt beschrieben wurde der Blutkreislauf durch William Harvey (1628), nachdem für 14 Jahrhunderte die Lehre Galens von den drei Digestiones (Verdauungen) die medizinische Lehrmeinung bestimmt hatte. Harvey stellte seine Überlegungen auf Grund der Entdeckung der hydraulischen Funktionsweise der Venenklappen durch den Italiener Hieronymus Fabricius Aquapendente, da er eine Verbindung zur Funktion des Herzens suchte, die er dann auch in der Kreislauftheorie fand. Wie das Blut vom arteriellen in den venösen Schenkel kommt, konnte allerdings erst Marcellus Malpighi mit seiner Entdeckung der Kapillaren erklären.

Literatur


- David Burnie: Kompaktwissen Biologie. Dorling Kindersley Verlag, Starnberg 2003, ISBN 3831090254
- J. R. Levick: Physiologie des Herz-Kreislauf-Systems. UTB, Stuttgart 1998, ISBN 3825281299
- Stefan Silbernagl, Agamemnon Despopoulos: Taschenatlas der Physiologie. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3135677060
- José Tola: Die faszinierende Welt der Tiere. Bassermann'sche Verlagsbuchhandlung, Niedernhausen 1991, ISBN 3809400327

Weblinks


- [http://www.angiologie-online.de/blutkrei.htm Kreislauf des Blutes]
- [http://www.medizinfo.de/venen/anatomie/blutkreislauf.shtml Medizininfo - Blutkreislauf]
- [http://www.modernealtenpflege.de/Anatomie/Blutkreislauf/blutkreislauf.html Blutkreislauf und Blut]
- [http://www.eduvinet.de/mallig/bio/Repetito/Evolut3.html Vergleich der verschiedenen Blutkreisläufe der Wirbeltiere] ! simple:Circulatory system

Todesursache

Es gibt unterschiedliche Betrachtungsweisen, wie man den Begriff Todesursache definieren sollte.
Philosophisch betrachtet sterben wir nicht an Todesursachen, sondern weil unser Leben endlich ist.
Medizinisch gesehen wird eine (konkrete) Erkrankung oder äußere Gewalteinwirkung als Todesursache bezeichnet. Bei der individuellen Feststellung spielt eine Rolle, wie man den Todeszeitpunkt definiert, und damit, ab welchem Zustand man ein Lebewesen als tot ansieht. Da heute beim Menschen im Allgemeinen vom Hirntod ausgegangen wird, bewirkt, abgesehen von gewaltsamen Zerstörungen, letztendlich eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns den Tod. Voneinander trennen muss man die Begriffe Todesursache und Todesart: Letzteres bezeichnet lediglich die Unterscheidung natürlich, nichtnatürlich und Todesart ungeklärt!

Bestimmung der Todesursache

Insbesondere bei jüngeren Menschen sollte bestimmt werden, welche Erkrankung oder Gewalteinwirkung zum Tod geführt hat. Hier ist in der Regel auch eine einzige Todesursache zu finden. Bei sehr alten Menschen ist es in Anbetracht einer Vielzahl von vorliegenden Erkrankungen oft nicht leicht, die ausschlaggebende Todesursache und die Abfolge der Zustände, die dazu führten, herauszufinden. Dies ist juristisch jedoch oft von ausschlaggebender Bedeutung bei Versicherungsfällen, gewaltsamen Todesfällen oder medizinischen Kunstfehlern, aber auch beim so genannten "Spättod" nach Unfall, wobei das letztendlich zum Tode führende Ereignis schon Jahre zurückliegen kann (z.B. traumatische Hirnschädigung - Demenz und Bettlägerigkeit - Lungenembolie - Spättod; Fazit: nichtnatürlicher Tod!). Die Bestimmung der genauen Todesursache durch die Obduktion ermöglicht u.A. eine wichtige Qualitätskontrolle bezüglich vorhergehender Diagnosestellung und erfolgter Therapie.

Statistiken

Die weltweite Todesursachenstatistik unterscheidet sich stark von der Statistik eines Landes wie Deutschland. In der 3. Welt dominieren Infektionskrankheiten (oft auf dem Boden einer Mangelernährung), Unfälle und Gewalteinflüsse wie Krieg und Bürgerkrieg. Die wichtigsten Todesursachen in Deutschland sind:
- Natürliche Todesursachen
  - Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) - Frauen sterben häufiger an Kreislauferkrankungen, da sie im statistischen Durchschnitt älter werden als Männer
  - Krebsleiden (Lungenkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs)
  - Lebererkrankungen, insbesondere die Leberzirrhose
  - Lungenerkrankungen (Asthma bronchiale; Chronische Bronchitis und Emphysem, siehe COPD)
  - Infektionen
- Nichtnatürliche Todesursachen
  - Verkehrsunfälle (in Deutschland jährl. 6000, weltweit 1,2 Mio Menschen) (siehe auch Verkehrstoter)
  - Andere Unfälle (Arbeitsunfälle, häusliche Unfälle, Sportunfälle)
  - Verletzungen
  - Vergiftungen
  - Suizid - (11.163 Personen, 73% Männer und 27% Frauen, 2002) Laut Weltgesundheitsbericht waren 1996 weltweit die zehn Krankheiten mit den meisten Todesfällen:
- Infektionen der Atemwege (Pneumonien) (4,4 Mio. davon 4 Mio. Kinder)
- Durchfallerkrankungen (Cholera, Typhus, Ruhr) (3,1 Mio., hauptsächlich Kinder)
- Tuberkulose (3,1 Mio.)
- Malaria (2,1 Mio.)
- Hepatitis B (1,1 Mio.)
- AIDS (1 Mio.)
- Masern (1 Mio. Kinder)
- Neugeborenentetanus (460.000 Säuglinge)
- Keuchhusten (355.000 Kinder)
- Wurmerkrankungen (135.000)

Todesursache Drogen

Häufigere Todesursache sind statistisch nicht die illegalen, sondern die legalen Drogen. Situation im Jahr 2003 in Deutschland: Drogentote durch illegale Drogen 1 477, im gleichen Zeitraum 40 000 Todesfälle als Folge von Alkoholmissbrauch und 110 000 als Folge des Tabakrauchens (Quelle: die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Drogen- und Suchtbericht 2004). Die häufigste alkoholbedingte Todesursache ist die alkoholische Leberzirrhose. Von der Todesursache Alkohol sind Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Unfälle und seltenere Todesursachen im weiteren Sinne (Ereignisse und Umstände, die Todesfälle nach sich ziehen können)


- Verkehrsunfälle: Auto, Bahn, Flugzeug, Fußgänger und Fahrradfahrer
- Arzneimittelnebenwirkungen, z.B. nichtsteroidale Antirheumatika, Penizillinallergie
- Andere Nebenwirkungen der Medizin wie Narkosezwischenfälle, Kunstfehler etc.
- Suizid
- Tötungsdelikte
- Andere Unfälle: Ertrinken, Brandverletzungen, Unfälle mit Schusswaffen, Erfrieren
- Sportunfälle: Reitunfälle, tödliche Bergunfälle
- Häusliche Unfälle
- allergische Reaktionen (Insektengifte, Nahrungsmittel etc.)
- Unfälle mit elektrischem Strom
- Sturz (auch Ausrutschen beim Gehen)
- Tierbiss (Hund usw.)
- Radioaktivität, künstliche und natürlich vorkommende, z.B. Radon
- Blitzschlag
- Vergiftungen

Siehe auch


- Tod
- Ursache
- Karoshi
- Lebenserwartung

Weblinks


- [http://www.destatis.de/basis/d/gesu/gesutab19.php Statistisches Bundesamt Deutschland - aktuelle Statistik der Todesursachen] - Anzahl der Gestorbenen nach Kapiteln der ICD-10
- [http://www.dhm.de/lemo/objekte/statistik/epgesund2/ Historische Zahlen von 1901 - 1938]
- [http://www.statistik.admin.ch/news/archiv96/dp96078.htm Sterbetafeln der Schweiz] Kategorie:Pathologie Kategorie:Rechtsmedizin

Therapie

Die Therapie (v. griech. θεραπεία „Dienst“) bezeichnet in der Medizin die Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen. Ziel des Therapeuten ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Funktion. Um eine entsprechende Therapie auswählen zu können, muss zunächst eine korrekte Diagnose gestellt werden. Wenn eine Therapie aufgrund eines Krankheitsbilds angezeigt ist, spricht man von einer Indikation. Therapie beruht auf einer direkten oder indirekten Einwirkung des Therapeuten auf den Patienten. Die Möglichkeiten der Einwirkung sind vielfältig: In der Chirurgie wird der Körper des Patienten mit Werkzeugen manipuliert (Operation). Die Innere Medizin stützt sich vorwiegend auf die Verabreichung von Medikamenten (Pharmakotherapie) oder die Entfernung von pathologischen Flüssigkeiten (Punktion von Aszites oder eines Pleuraergusses). Ferner gibt es Strahlentherapien mit ionisierender Strahlung (v. a. gegen bösartige Tumoren) oder mit einzunehmenden bzw. eingebrachten, strahlenden Substanzen (Radioiodtherapie gegen einige Geschwülste der Schilddrüse, Kontaktbestrahlung von inoperablen Tumoren mittels implantierter Kapseln), aber auch Lichttherapien bei Hautkrankheiten oder Depressionen oder die Elektrokrampftherapie unter Kurznarkose zur Durchbrechung einer schweren Depression. Ein wichtiger Teil der meisten Therapien ist die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient. Sie stellt sicher, dass die Behandlung den subjektiven Bedürfnissen des Patienten gerecht wird, und verbessert die Möglichkeiten des Patienten, selbst auf einen günstigen Krankheitsverlauf hinzuwirken. Die psychiatrische Therapie stützt sich sogar vorrangig auf Methoden systematischer Kommunikation. Gewöhnlich muss die Wirksamkeit eines Therapieverfahrens einer Überprüfung nach wissenschaftlicher Methode standhalten können, um von der Medizin als anerkannt zu gelten (siehe auch: evidenzbasierte Medizin). Dennoch werden, vor allem außerhalb von Krankenhäusern und Arztpraxen, oft Methoden eingesetzt, die diese Anforderung nicht erfüllen. Siehe hierzu: Alternativmedizin, Naturheilkunde. Eine Therapie ist
- kausal, wenn sie die krankheitserregende Ursache beseitigt oder dies zumindest anstrebt (also z. B. die verantwortlichen Bakterien einer bakteriellen Lungenentzündung direkt antibiotisch bekämpft), siehe Kausaltherapie
- symptomatisch, wenn sie sich lediglich auf das Lindern vorhandener Beschwerden und nicht auf die auslösende Ursache richtet (z. B. schleimlösende Hustenmittel bei akuter Bronchitis oder Asthma-Spray im Asthma-Anfall)
- kurativ, wenn sie die Genesung des Patienten (von mindestens einer definierten Krankheit) zum Ziel hat
- palliativ, wenn man gegen ein fortschreitendes Grundleiden nur noch krankheitsbegleitend Komplikationen vorbeugt oder lindert (z. B. operatives Wiederaufweiten der bösartig zugewucherten Atemwege bei Bronchialkarzinom zur besseren Atmung, aber ohne Absicht der vollständigen Heilung)
- supportiv, wenn die unerwünschten Nebenwirkungen einer (meist antitumorösen) Behandlung behandelt werden (z. B. Brechreiz lindernde Medikamente bei Übelkeit durch zytostatische Chemotherapie)
- kalkuliert, wenn es aus Erfahrung (z. B. unverhältnismäßiger Aufwand in der Allgemeinmedizin) oder bei akuter Lebensgefahr nicht praktikabel ist, eine gesicherte Diagnose anzustreben bzw. abzuwarten, und man gleich auf Verdacht beginnt zu behandeln (z. B. sofortige Gabe von Antibiotika bei Verdacht auf bakterielle Hirnhautentzündung)
- elektiv, wenn der Zeitpunkt des Eingriffs relativ frei bestimmt werden kann (wie bei vielen ambulanten Operationen)
- frustran, wenn sie vergeblich ist (z. B. frustrane Wiederbelebung)
- prophylaktisch, wenn es die vorsorgliche Behandlung einer noch nicht ausgebrochenen, aber sicher oder doch wahrscheinlich zukünftig auftretenden Erkrankung ist (z. B. eine spezielle Diät schon vor Auftreten erster Symptome bei gewissen, in Routineuntersuchungen festgestellten angeborenen Stoffwechselkrankheiten: siehe Screening). Die Impfungen sind so gesehen meist nur eine Stärkung des Körpers gegen die Anfälligkeit zukünftiger, sich noch nicht direkt anbahnender Krankheiten (Schutzimpfungen) und damit keine Therapie im engeren Sinne; es sei denn, eine Infektion ist ziemlich sicher erfolgt, die Inkubationszeit des Erregers aber noch nicht vollständig durchlaufen (der Erreger also noch nicht "angegangen"), und man kann im strengeren Sinne therapeutisch impfen (z. B. bei Verdacht auf Tollwut) und den Erreger so quasi "überholen", so dass er auf ein vorbereitetes Immunsystem trifft. Übertriebene Therapie (und Diagnostik) nennt man Polypragmasie, eine unangemessene Therapie (und Diagnostik) ist eine Fehlbehandlung oder gar ein Kunstfehler und kann zu Behandlungskomplikationen führen. Unter Selbsttherapie kann von Therapieabstinenz bis hin zu Kräutern und psychosomatisch als heilsam empfundenen alltäglichen Massnahmen alles mögliche verstanden werden. Beispielsweise sind Yoga, die Asanas, klassisch ein aktiver Weg, oft verglichern mit passiver Massage. Siehe auch: Psychologie, Physiotherapie

Rezidiv

Ein Rezidiv (von lat. recidere - zurückfallen) ist das Wiederauftreten ("Rückfall") einer Krankheit, einer psychischen Störung oder deren Symptomen nach einer Behandlung, die zeitweilig erfolgreich war oder nach spontaner Remission.

Onkologie

Der Begriff Rezidiv spielt bei der Behandlung von Krebs eine Rolle. Ursache ist eine unvollständige Entfernung des Tumors, die nach einiger Zeit zu einem erneuten Auftreten der Krankheit führen kann. Wer in den fünf Jahren nach der Behandlung eines Tumors keinen Rezidiv erfährt, gilt nach allgemeiner Norm als geheilt. Einige Tumoren können aber auch nach längerer Zeit ein Rezidiv verursachen.

Andere Erkrankungen

Rezidive treten auch bei anderen Erkrankungen auf. Beispiele sind Entzündungen und Infektionen verschiedener Art.

Klinische Psychologie

In der Klinischen Psychologie ist eine Reihe psychischer Störungen bekannt, die oft einen rezidivierenden Verlauf zeigen, insbesondere die meisten affektiven Störungen und die Schizophrenien. Eine zeitlich begrenzte Phase einer Störung wird in der klinischen Psychologie Episode genannt.

Siehe auch

Onkologie, Palliation, Krebs (Medizin), Metastase, Kraniopharyngeom Kategorie: Onkologie Kategorie: Klinische Psychologie

Metastase

Als Metastase (griechisch μετάσταση, von μετα~, meta~ - weg~ und στάση, stáse - die Stelle, Haltung, der Ort, also etwa die Übersiedelung an einen anderen Ort) wird eine hypothetisch definierte Absiedlung eines bösartigen Tumors oder eines Infektionsherdes bezeichnet. Die heutige praktizierte Onkologie basiert auf dieser Theorie. Die lateinische Bezeichnung ist Filia, die Tochter, Mehrzahl Filiae, und bedeutet das Tochtergeschwulst. Metastasen im engeren Sinne bezeichnen Absiedlungen eines Tumors in entfernte Gewebe. Der Begriff wird aber auch für die septische Streuung von Erregern benutzt, z.B. bei der Streuung einer Endokarditis in zahlreiche Organe. Endokarditis

Ursachen

Das Verständnis der Ursachen einer Metastasierung basiert derzeit auf in sich schlüssigen Hypothesen. Eindeutige wissenschaftlichen Beweise fehlen noch. So konnte bis jetzt z.B. bei einer hämatogenen Fernmetastase kein Informationsträger im Blut isoliert werden der eine Wanderung vom Haupttumor beweisen würde. Es ist auch keine Studie bekannt, die Metastasen von Haupttumoren differenzieren kann. Dennoch ist diese nachvollziehbare Hypothese weitläufig anerkannt. Sie besagt, dass im Rahmen der Entartung, mitotische Zellteilungen vorausgesetzt, Verbindungen zum umliegenden Gewebe gekappt werden könnten. Bei dieser Kappung scheinen Zellverbände abzuschilfern und zu wandern. Weiterhin vermutet man einen Defekt der Adhäsionsmoleküle auf der Oberfläche maligner Zellen, die für den Zellverbund unerlässlich sind. Der eigentliche Prozess der erneuten Festsetzung in fremden Gewebe ist allerdings noch unsicherer erfasst und daher ein Schwerpunkt der Krebsforschung.

Einteilung von Metastasen

Man unterscheidet gemäß der TNM-Klassifikation lokale, regionäre und Fernmetastasen. Lokale Metastasen entstehen in unmittelbarer Nähe des Primärtumors durch Verschleppung von bösartigen Tumorzellen in das umgebende Gewebe, auch über Organgrenzen hinweg. Diese Verschleppung kann auch über Stichkanäle oder Schnitte in Tumorgewebe begünstigt werden, man spricht dann von Impfmetastasen. Regionäre Metastasen entstehen in der Regel, wenn Tumorzellverbände in die Lymphgefäße abschilfern und sich in den organ- und lagespezifischen Lymphknoten festsetzen. Die Erfassung von regionären Lymphknotenmetastasen erfolgt in der TNM-Klassifikation durch der N-Kategorie. Bei regionären Lymphknotenmetastasen spricht man auch von lymphogenen Metastasen. Fernmetastasen entstehen analog dazu, wenn Tumorzellverbände in Venen abschilfern und in entfernten Organen absiedeln, oder durch Abtropfung oder Abklatschung von Tumorzellen in Körperhöhlen. Klassisches Beispiel für eine Abtropfmetastase ist der Krukenberg-Tumor eines Siegelzellkarzinoms des Magens mit zumeist beidseitigen Fernmetastasen an den Ovarien. Fernmetastasen über den Blutweg werden hämatogene Metastasen genannt. Die Erfassung von Fernmetastasen erfolgt in der TNM-Klassifikationen durch die M-Kategorie. Je nach Lokalisation und histologischem Typ metastasieren maligne Tumoren in unterschiedlichem Maße lymphogen und hämatogen. Auch die Lokalisation von Fernmetastasen ist in großem Maße abhängig von Histologie und Lokalisation des Primärtumors.

Lokalisation von Metastasen

Primärtumor Bei Krebserkrankungen werden neben dem Primärtumor in der Regel die Lymphknoten der Abflussbahn und „suspekte“ Lymphknoten aus der vorhergehenden Diagnostik (körperliche Untersuchung, Computertomografie, Magnetresonanztomografie) mit entnommen und histopathologisch auf regionäre Metastasen untersucht. Bei unklarer Lymphabflussbahn, z.B. bei Hauttumoren wird über das Einspritzen radioaktiv markierter Farbe der sogenannte Sentinell-Knoten („Wächterknoten“) mittels Geigerzähler und Farbmarkierung operativ aufgesucht. Lymphknotenmetastasen verschlechtern die Prognose, und führen bei kurativem Ansatz zu einer aggressiveren Therapie. Verschiedene Organe haben verschiedene bevorzugte Fernmetastasenlokalisation. In der Regel wird dabei der Pfortader- vom Cava-Typ unterschieden. Zum Pfortadertyp zählen die malignen Tumore der Organe des Verdauungstrakts (Untere Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse, Dünn- und Dickdarm, oberer Mastdarm) welche bevorzugt in die Leber metastasieren, weil Ihr venöses Blut über die Pfortader erst in die Leber, und dann in die Vena_cava gelangt. Alternativ können lymphogene und Abklatschmetastasen am Peritoneum vorkommen. Das Maximalbild zahlreicher Peritonealmetastasen wird Peritonealkarzinose genannt. Strenggenommen handelt es sich dabei aber nur um Metastasen eines Karzinoms, die allerdings die weitaus größte Gruppe maligner gastrointestinaler Tumoren ausmachen. Die meisten anderen Krebsarten gehören zum Cava-Typ. Sie metastasieren am ehesten in Skelett, Gehirn und Lunge, aber auch in die Leber und Milz. Metastasen bei bösartigen Tumoren vom Pfortadertyp können ebenfalls in diesen Organen vorkommen, es handelt sich dabei in der Regel um sekundäre Metastasen, d.h. Metastasen, die von einer Lebermetastase ausgehen und nicht vom Primärtumor. Verschiedene Tumoren metastasieren auch häufig in die Haut, es handelt sich dabei vor allem um Metastasen des Maligne Melanoms, sowie anderer Hauttumore und um Tumore des hämatoonkologischen Formenkreises, also Bluttumore, vor allem um Lymphome. Lymphom Zur Lokalisation von Fernmetastasen werden bei gesichertem Primärtumor aus diesem Grund im Sinne eines Stagings routinemäßig folgende Untersuchungen veranlasst:
- Skelettszintigrafie zum Auffinden von osteoklastischen oder osteoblastischen Knochenmetastasen. Osteoklastische Metastasen zerstören Knochengewebe, osteoblastische regen über Zytokine ein lokales Knochenwachstum an (z.B. bei Prostakarzinomen und Osteosarkomen).
- Computertomografie oder Magnetresonanztomografie der Bauch-, Thorax- und Schädelhöhle zum Auffinden von Leber-, Peritoneal-, Lungen- und Hirnmetastasen. Bei gastrointestinalen Tumoren wird dabei gleichzeitig der Befall lokoregionärer Lymphknoten im Bauchraum, bei Lungenkrebs der lokoregionären Lymphknoten im Brustraum untersucht.
- Lebersonografie zur Suche nach Lebermetastasen. Bei HNO-Tumoren gehört daneben zur Metastasensuche die Panendoskopie. Bei gynäkologischen und urologischen Tumoren ist eine lokoregionäres Tumorwachstum in umliegende Organe besonders häufig, deshalb ist die wichtigste Staginguntersuchung die Computertomografie des kleinen Beckens. Fernmetastasen verschlechtern die Prognose rapide, da in der Regel bei Vorliegen einer sichtbaren Fernmetastase multiple Mikrometastasen vorhanden sind. Fast nie von Metastasen betroffen sind Herz, Milz und Nieren; dies ist umso verwunderlicher, da diese Organe einen hohen Blutdurchfluss haben. Warum diese Organe seltener Befallen werden, ist ebenfalls noch nicht sicher abgeklärt. Ebenfalls sehr selten sind Metastasen in anderen Organen wie Bauchspeicheldrüse, Magen, Darm (außer durch lokales Wachstum), Schilddrüse, Thymus und Nebenniere.

Dignität von Metastasen

In der Regel sind Metastasen deutlich schlechter differenziert als der Primärtumor, ihre histologischen Eigenschaften sind vom Ursprungsgewebe deutlich entfernt und sie zeigen eine erhöhte Wachstumsprogredienz. Aus diesem Grund werden viele Krebspatienten bei Vorliegen von ausgedehnten Metastasen - je nach Ursprungstumor - nur noch palliativ behandelt.

Siehe auch

Krebs, TNM-Klassifikation, Tumor, Histologie

Weblinks


- [http://www.mrx.de/mri-lib/wibw01.html Bildbeispiel einer Metastase in der Brustwirbelsäule]
- [http://www.schmerz-therapie-deutschland.de/pages/zeitschrift/z3_99/art_321.html Bildbeispiel einer osteoblastischen Metastase in der Lendenwirbelsäule]
- [http://alf3.urz.unibas.ch/pathopic/getpic-fra.cfm?id=803 Bildbeispiel einer Metastasenleber]
- [http://www.hirntumorhilfe.de Deutsche Hirntumorhilfe e.V.] Kategorie:Pathologie Kategorie:Krebserkrankung ja:転移 (医学)

Tabakrauchen

Unter Tabakrauchen (verkürzt: Rauchen) versteht man das Inhalieren von Rauch, der durch das Verbrennen von tabakhaltigen Artikeln (z. B. Zigaretten, Zigarillos, Schischas) entsteht. Zigarren, Pfeifen usw. werden eigentlich "gepafft". Doch umgangssprachlich wird auch hier oft vom Rauchen gesprochen. Der Übergang ist fließend, manchmal wird der Tabakrauch von Wasserpfeifen oder Zigarillos gepafft, manchmal inhaliert. Das Rauchen war in verschiedenen altamerikanischen Kulturen schon lange üblich und wurde dort in erster Linie rituell betrieben, es gelangte nach der „Entdeckung“ Amerikas durch Columbus auch nach Europa, wo zuvor bereits einige andere Pflanzen geraucht worden sein sollen, so z. B. der Lavendel. Tabak wurde in Europa zunächst durch die Nase geraucht. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die starke Gesundheitsschädlichkeit allgemein bekannt.

Gesundheitsschädigung

Die Gesundheitsgefahren durch Rauchen sind sowohl epidemiologisch als auch durch biochemisch-molekularbiologische Untersuchungen zweifelsfrei belegt. Tabakrauch enthält einige tausend Stoffe, von denen viele, wie das Benzol, bereits für sich genommen krebserregend sind. Das im Tabakrauch enthaltene Benzo(a)-pyren schädigt das für die Krebsabwehr zuständige Gen p53. Tabakrauchen ist unter anderem ein gesicherter Risikofaktor für
- Lungenkrebs
- Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs
- Magenkrebs
- Nieren- und Blasenkrebs
- Bauchspeicheldrüsenkrebs und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
- koronare Herzkrankheit und den daraus resultierenden Herzinfarkt
- das Auftreten von Aneurysmata (lokale Aussackungen der Blutgefäße mit der Gefahr des Reißens und daraus resultierender innerer Blutungen)
- Schlaganfall
- Gefäßverstopfungen in den Extremitäten (periphere arterielle Verschlusskrankheit), umgangssprachlich Raucherbein oder Schaufensterkrankheit genannt, sowie das Winiwarter-Buerger-Syndrom (Thrombangiitis obliterans), eine seltene, meist bei jungen männlichen Rauchern auftretende Gefäßentzündung.
- Leberzirrhose
- Chronisch obstruktive Lungenkrankheit ("Raucherhusten"), Lungenemphysem, chronische Bronchitis und andere Lungenerkrankungen
- Magen-Darm-Geschwüre
- erektile Dysfunktion (Potenzstörungen bis hin zur Impotenz)
- chronischen Zahnfleischschwund (Parodontitis) und andere Zahnfleischerkrankungen
- vorzeitige Hautalterung Hinsichtlich des relativ erhöhten Risikos führen die Krebserkrankungen, gefolgt von den Magen- und Darm-Geschwüren, den chronischen Lungenerkrankungen, der Leberzirrhose und den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit Abstand an erster Stelle steht der Lungenkrebs: 90% der Lungenkrebspatienten, aber je nach Altersgruppe, Geschlecht und Population nur ca. 25-35% der Normalbevölkerung sind Raucher. Was dagegen die absolute Häufigkeit als Todesursache angeht, stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch vor den Krebserkrankungen. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern ist im Vergleich zu Nichtrauchern um etwa zehn Jahre geringer. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr über 110.000 Menschen an den Folgen des Rauchens - jeden Tag über 300. Studien, die Hinweise auf einen möglichen Schutz vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen durch das Rauchen ergeben hatten, gelten mittlerweile als widerlegt.

Extrem schnelle Suchtentwicklung

Das im Tabak gebundene Nikotin kann bereits nach 2-3 Zigaretten, also extrem schnell zu einer Nikotinsucht führen. Dem Tabak beigegebene Stoffe wie Ammoniak und Menthol beschleunigen das Anfluten des Nikotins im Blut, dämpfen den Hustenreiz und betäuben die schmerzenden Atemwege. Zuckerstoffe und Kakao nehmen dem Rauch Schärfe, durch das mildere Rauchgefühl wird es vor allem für Kinder einfacher, den Rauch zu inhalieren. Viele Kritiker behaupten, die Tabakindustrie wolle durch die Beimengung dieser Stoffe gezielt Kinder und Jugendliche zum Rauchen verleiten.

Feinstaub

Durch Zigarettenrauchen entsteht Feinstaub, der besonders in geschlossenen Räumen eine hohe Konzentration erreichen kann. Da diese Feinstäube als krebserregend (karzinogen) gelten, geht von ihnen eine besondere Gesundheitsgefährdung aus. Beim Rauchen von Filterzigaretten werden feinste Staubpartikel aus dem Filter mitinhaliert.

Lebenserwartung sinkt

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern ist im Vergleich zu Nichtrauchern um etwa sechs bis zehn Jahre niedriger. Zu solchen Erkenntnissen gelangt man mit Hilfe von ausgefeilten statistischen Methoden, zum Beispiel mit sogenannten Statistischen Zwillingen. Statistische Zwillinge sind Personen, die aus einer großen Zahl von Probanden ausgewählt worden sind, weil 25 Faktoren, die gesundheitliche Bedeutung haben, bei ihnen übereinstimmen. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, Familienstand, Größe und Gewicht, Vorerkrankungen, erbliche Disposition für Krebs, aber auch Erziehung und Religion, Stadtwohnung oder Landwohnung, schließlich selbst Abstammung und Nationalität. In dem zu prüfenden Faktor aber stimmten sie nicht überein: die einen rauchten, die anderen nicht. Hammond hat 36.975 derartige statistische Zwillingspaare im Alter zwischen 40 und über 80 Jahren über einige Jahre untersucht. Am Ende der Beobachtungszeit waren 1.385 Raucher, aber nur 662 Nichtraucher gestorben, das ist ein Verhältnis von mehr als 2 : 1. Von den Nichtrauchern starben 12 an Lungenkrebs, von den Rauchern hingegen 110 (Public Health, 1161-1187, Mai 1964). In Deutschland starben im Jahr 2003 40.865 Menschen infolge solcher Erkrankungen, die auf den Konsum von Tabak zurückgeführt werden konnten (ApothekenUmschau 01.09.2005, S. 51).

Radioaktivität

Eine weitere Gefahr für die Gesundheit geht von radioaktiven Isotopen aus, die deswegen im Zigarettenrauch enthalten sind, weil die Blätter der Tabakpflanze Trichome mit einem Durchmesser und einer Struktur besitzen, die mit radioaktiven Isotopen besetzte Staubteilchen besonders gut aus der Luft herausfiltern. Einige Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass eine Strahlendosis von 80 rem (800 mSv), die ihres Erachtens ein durchschnittlicher Raucher in zehn Jahren aufnehmen soll, zu bösartigen Tumoren führen könne. Für die Bevölkerung ist ein Grenzwert von 1 mSv pro Jahr gesetzlich festgelegt.

Passivrauchen

Das Passivrauchen von Tabakqualm stellt eine ernsthafte Gefährdung der Gesundheit dar. Der Aufenthalt von 3-4 Stunden Dauer in einem von Zigarettenqualm gefüllten geschlossenen Raum (wie z.B. in Discotheken oder Kneipen) entspricht dem "aktiven" Rauchen von 4-9 Zigaretten, was mit der Giftigkeit des Nebenstromrauchs im Gegensatz zum vom Raucher ein- und ausgeatmeten Hauptstromrauch zusammenhängt. Daher haben in den letzten Jahren immer mehr Staaten Rauchverbote für Restaurants und öffentliche Gebäude erlassen. Kinder, die in einem Haushalt aufwachsen, in dem ein oder beide Elternteile rauchen, sind als Kind statistisch gesehen häufiger krank und haben ein höheres Krebsrisiko. Auch intensives Lüften oder die Einrichtung eines Raucherzimmers können an diesem Problem nichts ändern, da Schadstoffe auch dann noch lange in der Raumluft verbleiben können. Untersuchungen zeigen zudem, dass Kinder rauchender Eltern später häufiger selbst rauchen als Kinder, deren Eltern Nichtraucher sind.

Rauchen in der Schwangerschaft

Rauchen in der Schwangerschaft gefährdet den Embryo bzw. Fötus, da die von der Mutter eingeatmeten Giftstoffe über den Blutkreislauf in den kindlichen Organismus gelangen. Durch das Rauchen werden auch die Blutgefäße der Plazenta verengt und somit wird die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigt. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, Mangelentwicklung und Frühgeburtlichkeit. Die Geburtsgewichte von Babys rauchender Mütter sind im Durchschnitt deutlich niedriger als die von Babys, deren Mütter nicht rauchen. (Nichtraucher: 11% unter 2.500 g; bis 10 Zigaretten pro Tag: 17% unter 2.500 g; >20 Zigaretten pro Tag: 25% unter 2.500 g). Auch eine Risikoerhöhung für genetische Abweichungen ist mittlerweile nachgewiesen. Die Fehlbildungsrate steigt mit dem Zigarettenrauchen von Mutter und Vater über den Durchschnitt. Neueren Studien zufolge (siehe Links) ist auch eine Schädigung der Chromosomen des Kindes durch den Nikotinkonsum der Schwangeren möglich. Die Erhöhung des Risikos, dass Kinder, deren Mütter Nikotin während der Schwangerschaft geraucht haben, öfter an Leukämie erkranken, wird noch untersucht. Erwiesen ist die erhöhte Anfälligkeit der Kinder rauchender Mütter für Allergie-, Bronchitis- und Asthmaerkrankungen sowie für Mittelohrentzündungen (2 bis 3 mal häufiger als im Durchschnitt). Im Schulalter sind Kinder aus Raucherhaushalten häufiger übergewichtig und verhaltensauffällig. Rauchen der Mutter bzw. Eltern während der Schwangerschaft schädigt nach den neuesten Untersuchungen US-amerikanischer Forscher sogar die Gesundheit von deren Enkelkindern [http://www.3sat.de/nano/news/78173/index.html (Quelle)].

Sozialer Status des Rauchens

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Rauchen sozial weitgehend akzeptiert und als Mittel zum Ausdruck von gesellschaftlichem Rang, Gelassenheit und Überlegenheit positiv besetzt. Hiervon zeugten soziale Gepflogenheiten wie der in gehobenen bürgerlichen Kreisen und im Adel bis in das 20. Jahrhundert hinein herrschende Brauch, dass sich die anwesenden Männer nach einem Essen in Gesellschaft geschlossen in das Rauchzimmer (das oft zugleich die Hausbibliothek beherbergte) begaben, um dort im Tabakrauch über Politik und Weltgeschehen zu diskutieren. Die dabei getragene Anzugsjacke wurde als Smoking weltbekannt. Aus der allgemeinen Akzeptanz und Praxis des Rauchens erwuchs immer wieder ein Zwang, „dazu zu gehören“. Mit der zunehmenden Verbreitung der medizinischen Erkenntnisse über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens hat sich die allgemeine Einschätzung des Rauchens jedoch stark zum Negativen hin gewendet. Personen des öffentlichen Lebens vermeiden es heute meist, sich öffentlich zum Rauchen zu bekennen. Die Aufnahme der medizinischen Erkenntnisse und die individuelle Entscheidung, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen, also nicht zu rauchen, steigt mit dem Bildungsniveau. Entsprechend ist der Anteil von Rauchern in gut ausgebildeten Schichten deutlich niedriger als in schlecht ausgebildeten Schichten. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet 2004, dass in China unter Menschen ohne Schulbildung siebenmal häufiger Raucher anzutreffen sind als unter Menschen mit College-Abschluss. In Deutschland beträgt laut einer 2004 veröffentlichten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg der Raucheranteil unter Männern mit einem Einkommen von weniger als 730 € im Monat 43%; bei Männern mit einem Einkommen oberhalb dieser Schwelle liegt der Anteil nur bei 23%. Von Personen, die einfache, angelernte Tätigkeiten ausüben, rauchen etwa 50%. Der Anteil der Raucher in der Gruppe der Ärzte, Gymnasial- und Hochschullehrer liegt dagegen bei nur 15%. In der Gruppe der 18 bis 19-Jährigen mit Hauptschulabschluss liegt der Anteil der Raucher bei 64%; bei gleichaltrigen Abiturienten beträgt der Anteil lediglich 39%. In einer weiteren Studie zur gesundheitlichen Situation von Jugendlichen, die Anfang Juni 2004 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht und in Deutschland von der Universität Bielefeld betreut wurde, werden deutsche Jugendliche als „Europameister“ beim Rauchen bezeichnet: Der Studie zufolge, der in Deutschland Befragungen von 5600 Jugendlichen zugrundeliegen, geben 25% der 15-jährigen Jungen und 27% der gleichaltrigen Mädchen an, täglich zu rauchen. Die Studie zeigt einen Zusammenhang auf zwischen diesem Befund und Indizien für geringe Lebenszufriedenheit, eine negative gesundheitliche Selbsteinschätzung und geringen Schulerfolg der rauchenden Jugendlichen. In der Schweiz liegt der Anteil der Raucher 2002 bei den 15- bis 24-jährigen Männern bei 39.9 Prozent und bei den Frauen 34.8 Prozent. Rauchfetischismus bedeutet, dass Leute es sexuell erregend finden, anderen beim Rauchen zuzusehen oder selbst zu rauchen.

Wie wird man Raucher?

Wer über längere Zeit einer kleinen sozialen Gruppe angehört, in der die meisten Mitglieder rauchen (z. B. Wohngemeinschaft, Clique), hat erhöhte Chancen, selbst Raucher zu werden. Auch Partnerschaften zweier Menschen, bei denen beide nur gelegentlich rauchen, können zu einer Steigerung des Rauchens führen, weil es in einer Partnerschaft mehr Gelegenheiten gibt, gemeinsam zu rauchen. Bedeutsam für den Einstieg ins Rauchen können nach Einschätzung von Experten auch Vorbilder sein, etwa rauchende Schauspieler, Musiker und Sänger, die oft Idole besonders für Jugendliche sind. Viele Wissenschaftler teilen die Meinung, dass dies eine der Hauptursachen für das Rauchen sei. Als weiteren Hauptgrund für das Nichtloskommen von der Sucht wird ein gewisse Mythos gesehen, der dem Tabakrauch sehr viele positive Eigenschaften zuschreibt wie etwa in Stresssituationen zu helfen. Allerdings rühre dieser Effekt daher, dass Raucher unter einem "chronischen" Entzug leiden, sobald dieser gelindert werde, empfände der Raucher das als Stressminderung in angespannten Situationen, was es objektiv auch ist, Raucher bekämpfen also durch Nikotinentzug entstehenden Stress mit Nikotin, das wiederum Stress durch Entzug erzeugt. Das Rauchen der eigenen Eltern kann sich in zwei Richtungen auswirken. Während die einen Raucherkinder durch die Abhängigkeit ihrer Eltern eine Selbstverständlichkeit des Rauchens vermittelt bekommen, die dazu führt, dass sie keine Hemmungen beim Rauchen haben, kann das bewusste Ablehnen dessen auch dazu führen, dass das Kind ein überzeugter Nichtraucher wird. Für die schnelle Suchtentwicklung schon nach nur wenigen gerauchten Zigaretten ist das Nervengift Nikotin verantwortlich, welches aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit zu Acetylcholin sowie seiner Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, an den Acetylcholinrezeptoren der Nervenzellen des Gehirns andocken kann. Dadurch werden die Ausschüttung mehrerer Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphinen induziert und das dopaminerge Belohnungssystem beeinflusst. Nikotin führt dadurch unmittelbar zu einer Verbesserung von Hirnleistungen wie Gedächnis und Aufmerksamkeit, während es gleichzeitig über die Freisetzung von Katecholaminen dem Belohnungssystem das Gefühl vermittelt, etwas Richtiges getan zu haben. Schon nach wenig Nikotinkonsum kommt es zu einer Toleranzentwicklung, so dass die Nikotinzufuhr gesteigert werden muss, um den gewohnten Effekt zu erzielen. Auf diese Weise entsteht sehr schnell eine starke psychische und körperliche Abhängigkeit. Da Nikotin gleichzeitig anspannende und entspannende Wirkungen vermittelt, wirkt es nur bei Rauchern entspannend, die es benötigen, um den durch die körperlichen Entzugssymptome des Nikotins hervorgerufenen Stress zu beseitigen. Raucher kompensieren also Stress mit Nikotin, der ohne die Sucht danach gar nicht vorhanden wäre.

Statistiken

Jugendliche Raucher

In Deutschland liegt der Anteil der jugendlichen Raucher beim vergleichsweise hohen Niveau von etwa 30 Prozent, in Kalifornien im Gegensatz dazu bei nur ungefähr 8 Prozent. Im Vergleich mit anderen Altersgruppen ist der Anteil der Raucher in der Altersgruppe der 15- bis 24-jährigen in der Schweiz am höchsten. Er liegt bei rund 38 Prozent. Das durchschnittliche Einstiegsalter für das Zigarettenrauchen in Deutschland liegt laut neuesten Studien bei 11,6 Jahren.

Zigarettenjahresverbrauch pro Einwohner in Deutschland

Bundesrepublik
- 1965: 1.619 Stück
- 1970: 1.921 Stück
- 1975: 2.042 Stück
- 1980: 2.085 Stück
- 2005: 1.392 Stück

Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung

Der Anteil der Raucher an der Bevölkerung (Alter über 15 Jahre) der jeweiligen europäischen Länder (Quelle: Europäische Kommission, 1999; Schweiz: BfS, 2002):

Werbung

Ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf die Entscheidung, Raucher zu werden, kommt der Tabakwerbung zu. Dabei versucht die Tabakwerbung der letzten Jahre verstärkt, bisher weniger beachtete Gruppen gezielt anzusprechen. Der dramatische Anstieg der Lungenkrebstodesfälle bei Frauen um die Wende zum 21. Jahrhundert wird von Kritikern in einen Zusammenhang mit der Tatsache gebracht, dass in der Tabakwerbung verstärkt auf die Wünsche und Sehnsüchte junger Frauen angespielt werde. Im deutschen Funk und Fernsehen dürfen jedoch Zigaretten seit Jahrzehnten nicht mehr beworben werden. In den nächsten Jahren soll ein EU-weites Werbeverbot für Zeitungen und Zeitschriften greifen, das allerdings nur offizielle Tabakwerbung verbietet. Unter anderem betroffen sein wird auch das Sponsoring von Formel-1-Rennen. Die Bundesregierung, sowohl die Kohl- als auch die Schröder-Regierung, ist in Brüssel mehrmals vergeblich gegen das Werbeverbot zu Felde gezogen.

Entwöhnung

Fast jeder Raucher wünscht sich mehr als einmal, mit dem Rauchen aufhören zu könnnen. Es gibt viele Methoden, sich das Rauchen abzugewöhnen. Viele versuchen mit Präparaten wie nikotinhaltigen Kaugummis, Bonbons oder Tropfen das Nikotin auf anderem Wege als über die Lunge dem Körper zuzuführen und die Dosis dann im Laufe der Zeit so zu reduzieren, bis sie es gar nicht mehr brauchen. Eine weitere Möglichkeit sind spezielle Pflaster, die eine fest definierte Dosis über mehrere Stunden verteilt über die Haut an den Körper abgeben. Der Erfolg dieser Methoden hängt jedoch von der Bereitschaft des Rauchers ab, mit dem Rauchen auch tatsächlich aufhören zu wollen, denn die psychische Abhängigkeit ist als erlerntes Verhalten ein komplexes Problem und für die Langzeit-Prognose wichtiger als die geringer ausgeprägte körperliche Abhängigkeit, gegen welche sich die genannten Hilfsmittel richten. Rauchern, die zu solchen unterstützenden Maßnahmen greifen, gelingt es deutlich seltener, letztlich dauerhaft abstinent zu bleiben als solchen, die einen plötzlichen Kalten Entzug (also ohne Dosisreduktion und ohne Nikotinersatzmittel) durchführen. Auch Methoden mit unterstützender Akupunktur oder Hypnose werden oft angeboten, deren Erfolg ist jedoch nicht vielversprechender als eine normale Entwöhnung. Sehr viel erfolgreicher sind hingegen Radikalmethoden, bei welchen der Raucher von einem Moment zum anderen mit dem Rauchen aufhört. Nichtraucher zu sein heißt ganz einfach nicht zu Rauchen. Dies erfordert einen starken Willen und einiges an Disziplin. Der körperliche Entzug ist nach wenigen Tagen der Abstinenz bereits abgeschlossen, auch wenn die Normalisierung der verschiedenen durch Toleranzentwicklung veränderten Rezeptorendichten (über Up- und Down-Regulation) im Nervensystem nach längerer Nikotinabhängigkeit mindestens vier Wochen dauert, da Rezeptoren komplexe, fest an Zellstrukturen verankerte Moleküle sind und nur langsam auf- und abgebaut werden. Nur eine einzige Zigarette kann eine mehrwöchige Entwöhnungsphase wieder komplett zunichte machen. Die Dauer der Entwöhnung von der psychischen Abhängigkeit (aus verhaltenstherapeutischer Sicht muss die Sucht wieder verlernt werden) hängt von der jeweiligen Person, der Dauer der Abhängigkeit und den ehemaligen Rauchgewohnheiten ab. In der Regel hat man nach sechs Wochen bereits ein deutliche geringeres Risiko für einen Rückfall, frühestens nach sechs Monaten kann man jedoch von einer erfolgreichen Entwöhnung sprechen. Einige der zahlreichen Gifte im inhalierten Tabakrauch sollen so langsam verstoffwechselt werden, dass es mehr als 30 Jahre dauern könne, bis der Körper diese vollständig abgebaut habe. Allerdings ist auch nach langjährigem intensiven Rauchen bei Abstinenz schon nach relativ kurzer Zeit eine deutliche Risikoreduktion für die Erkrankungen der Herzkranzgefäße, den Herzinfarkt und den Schlaganfall zu beobachten, welche zahlenmäßig noch vor den Krebserkrankungen die wichtigsten Schädigungen sind. Für ein Zurückgehen der Krebsneuerkrankungen nach Entwöhnung gibt es dagegen nicht so eindeutige Hinweise, wobei allgemein auch hier ein sinkendes Risiko anzunehmen ist. Bei den meisten ehemaligen Rauchern ist nach erfolgreicher Entwöhnung eine leichte Gewichtszunahme festzustellen. Dies liegt weniger an veränderten Essgewohnheiten als an der Umstellung des Stoffwechsels durch das Nichtrauchen.

Politische Maßnahmen gegen das Rauchen

Durch EU-Gesundheitsminister wurden innerhalb der EU auf den Zigarettenpackungen größere und dringendere Warnhinweise wie etwa „Rauchen kann tödlich sein“, „Rauchen lässt Ihre Haut altern“ oder auch „Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen“ eingeführt. Für die Zukunft sind auch Bilder von Raucherlungen und Tumoren geplant, von denen man sich eine abschreckende Wirkung erhofft. Ein weiteres politisches Instrument zur Eindämmung des Rauchens ist die Tabaksteuer.

Verbote des Tabakrauchens

Seitdem die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Rauchens medizinisch erwiesen sind, gab es in verschiedenen Ländern immer wieder und mit steigender Tendenz Appelle an politische Entscheidungsträger, von staatlicher Seite dem Rauchen entgegenzuwirken. Als übergeordnete Gründe derartiger Appelle stehen die Aufforderung an den Staat, einer gesundheitlichen Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern zu genügen sowie der Hinweis auf den durch die gesundheitlichen Folgen verursachten volkswirtschaftlichen Schaden im Vordergrund. Der Staat seinerseits tut sich häufig schwer mit derartigen Forderungen, da er sich in einem Dilemma befindet: Einerseits lockt die Vorstellung, sich als fürsorglicher Schützer der Volksgesundheit zu profilieren; andererseits ist der Staat an fortgesetztem Tabakkonsum der Bürger interessiert, weil die Einnahmen aus der Tabaksteuer eine wichtige staatliche Einnahmequelle darstellen. Volkswirte schätzen die Kosten des Rauchens allein für die Gesundheitssysteme jedoch auf ein Vielfaches, so dass die Netto-Tabaksteuereinnahmen die Kosten möglicherweise nicht ausgleichen können. Als eine der ersten staatlichen Reaktionen auf die Forderung nach Eindämmung des Rauchens ist die in Frankreich in den 1990er Jahren erlassene Regelung zu sehen, wonach in Restaurants rauchfreie Zonen einzurichten sind (was in der Praxis allerdings zumeist ignoriert wird). In zunehmendem Maße geraten auch in den USA die Raucher unter Druck, wobei dort in der Regel kommunale Verordnungen vorschreiben, inwieweit das Rauchen toleriert wird oder nicht. Hier sind bereits Fälle bekannt, wo in einer Kommune das Rauchen in der Öffentlichkeit (also auch auf öffentlichen Straßen und Plätzen) generell verboten wurde. In New York City wurde 2003 das Rauchen in Restaurants verboten. Zugleich gelten hier extrem hohe Zigarettenpreise. Als weltweit erstes Land führte das im Himalaya gelegene Königreich Bhutan am 17. Dezember 2004 ein landesweit gültiges Rauchverbot ein. Das Verbot umfasst den Verkauf von Tabakwaren und das Rauchen in der Öffentlichkeit. Als Begründung wurde von Seiten der Regierung der Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie die Bewahrung der Kultur des Landes genannt. Als erstes EU-Land führte die Republik Irland im Jahr 2004 ein totales Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen ein. Betroffen waren in erster Linie die 10.000 Pubs des Landes. Bis zu 400 amtlich bestellte Kontrolleure überwachen die Einhaltung. Den Besitzern von Kneipen, Bars und Restaurants sowie allen anderen Arbeitgebern drohen Geldstrafen von bis zu 3000 €, wenn in ihren Einrichtungen gegen das Gesetz verstoßen wird. Die Regionalregierung Schottlands hat eine ähnliche Regelung beschlossen, die im Frühjahr 2006 in Kraft treten soll. Auch in Italien wurde 2005 ein Rauchverbot in Restaurants eingeführt. Die spanische Bezirksregierung auf Mallorca droht seit dem selben Jahr den Betreibern von Lokalen, in welchen auch Speisen angeboten werden, eine Geldstrafe von 50.000 € und die Schließung des Lokals an, wenn diese im Innenbereich auch nur einen einzigen Aschenbecher auf dem Tisch stehen haben. Ausgenommen sind Diskotheken und Bars in welchen ausschließlich Getränke angeboten werden. In der Schweiz gilt ab Dezember 2005 generelles Rauchverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Eisenbahnen oder Schiffen. In einigen Kantonen gibt es zusätzliche gesetzliche Verbote. Bei verschiedenen christlichen Gruppen ist das Rauchen verpönt oder sogar ganz untersagt. Dazu gehören die Adventisten sowie die Zeugen Jehovas. Begründet wird diese Einstellung unter anderem mit Anweisungen aus der Bibel, zum Beispiel 1. Korintherbrief 3, 16+17: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. (Zitiert nach der Schlachter-Bibel, Ausgabe 2000)

Siehe auch


- Weltnichtrauchertag
- Passivrauchen
- Nichtraucherschutz
- Nikotinsucht
- Rauchverbot

Weblinks


- [http://www.rauchfrei.de/ Nichtraucher Portal Rauchfrei.de]
- [http://www.geschichte-des-rauchens.de/ Die Geschichte des Rauchens]
- [http://www.raucherportal.de/ Das Raucherportal: alles über das Rauchen]
- [http://www.aktiv-rauchfrei.de/ Aktiv für eine rauchfreie Zukunft]

Nichtraucherorganisationen


- [http://www.pro-rauchfrei.de Pro Rauchfrei e.V.]
- [http://www.ni-d.de Nichtraucherinitiative Deutschland e.V.]
- [http://www.nichtraucher.org/ Suche nach nichtraucherfreundlichen Gastronomiebetrieben]
- [http://www.optiserver.de/aktionsbuendnis_nichtrauchen/index.html Aktionsbündnis Nichtrauchen]
- [http://www.proaere.ch Stiftung pro aere (Schweizerische Stiftung für Passivraucherschutz)]
- [http://www.qualmfreies-deutschland.de Verein "Qualmfreies Deutschland e.V."]

Raucherprävention


- [http://www.ift-nord.de/ift/be/ „Be Smart - Don't Start“] (Jährlicher Wettbewerb für Schulklassen)
- [http://www.besmart.at/asp/default.asp Österreichische Website des Wettwerbs „Be Smart - Don't Start“]

Raucherentwöhnung


- [http://www.easywell.de/start/index.html Die Allen Carr "Easyway" Methode] (u.a. auch zu anderen suchtbezogenen Themen)
- [http://www.rauchfrei.de Rauchfrei.de Nichtraucherportal]
- [http://www.nichtraucher.de Nichtraucher.de]
- [http://www.rauchfrei2004.de Rauchfrei2004]
- [http://www.raucherentwoehnung-online.de Kursverzeichnis zur Raucherentwöhnung]
- [http://www.infantologie.de/raucher/tips.php Tipps zum Aufhören]
- [http://www.ift-nord.de/ift/jbsf/ "Just be smokefree"] (Raucherentwöhnungsprogramm speziell für Jugendliche und junge Erwachsene)

Gesundheitliche Folgen


- [http://www.rauchfrei.de/giftmix.htm Giftstoffe im Tabak]
- [http://www.pro-rauchfrei.de/artikel_870.htm Gefährliche Zusatzstoffe in Tabakwaren]
- [http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=19441 Chromosomenschäden beim Kind durch Rauchen der Schwangeren I]
- [http://www.sueddeutsche.de/,tt5m2/wissen/artikel/745/50695/ vor- und nachgeburtliche Schädigung von Kindern durch Rauchen]
- [http://wiki.gruene-jugend.de/index.php/Rauchen_und_Zahngesundheit Rauchen und Zahngesundheit] - "Mein Freund Paul stinkt aus dem Maul"
- [http://www.dr-dr-wolf-mkgpraxis.de/geszaehhf.html#LP5 Rauchen gefährdet die Zähne]
- [http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=16696 Epidemiologie: Raucher sterben zehn Jahre früher (22. Juni 2004)]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/257122.html www.wissenschaft.de: Warum Ex-Raucher zunehmen]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/257284.html www.wissenschaft.de: Warum Rauchen den Blutdruck hochtreibt] Der Tabakkonsum vermindert die Menge eines wichtigen regulierenden Enzyms namens Monaminoxidase in der Lunge Kategorie:Gesundheitsrisiko Kategorie:Tabak Kategorie:Zigaretten Kategorie:Sucht

Karzinogen

Karzinogen (auch carcinogen, kanzerogen oder cancerogen) heißt Krebs erzeugend und setzt sich aus Karzinom und Genese zusammen. Ein Karzinogen ist folglich eine Krebs fördernde Substanz oder Strahlung. Nicht zu verwechseln ist der Begriff karzinogen mit dem Wort Onkogen = Krebsgen.

Einteilung der Karzinogene


- Chemische Karzinogene, z.B.
  - Benzpyren
  - Acrylamid
  - Aflatoxine
  - Benzol
  - Tamoxifen
  - Nitrofuran
- karzinogene Strahlung
  - Radioaktivität
  - UV-Strahlen
  - Röntgenstrahlen
- karzinogene Viren (= Tumorviren), z.B.
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